AUSSTELLUNGEN VORSCHAU


AUSZEIT
VON PAUSEN UND MOMENTEN DES AUFBRUCHS (1./2. OG, EG)

17. April bis 11. Juli 2021 

Vernissage: 16. April, 19 Uhr

 
Bas Jan Ader, ohne Titel (Tea party), 1971 (Detail), 16mm-Film auf DVD, 1:51 Min., s/w,  production still (color), © The Estate of Bas Jan Ader / Mary Sue Ader Andersen / The Artist Rights Society (ARS), New York / VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Courtesy of Meliksetian | Briggs, Los Angeles
Bas Jan Ader, ohne Titel (Tea party), 1971 (Detail), 16mm-Film auf DVD, 1:51 Min., s/w, production still (color), © The Estate of Bas Jan Ader / Mary Sue Ader Andersen / The Artist Rights Society (ARS), New York / VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Courtesy of Meliksetian | Briggs, Los Angeles
 
 

Die Gruppenausstellung widmet sich – ausgehend von der Sammlung Selinka des Kunstmuseum Ravensburg – der vielschichtigen Bedeutung des Begriffs ›Auszeit‹. Im Dialog zwischen Werken des 20. und 21. Jahrhunderts wird das Spannungsfeld der Auszeit mit Augenblicken des Genusses und des Müßiggangs bis hin zu Formen des Protests und des Widerstands thematisiert. Bereits die expressionistischen Werke der Künstlergruppe »Brücke« (1905–1913) versinnbildlichen Auszeiten des Vergnügens und der Verweigerung. In den Darstellungen der Ausflüge in die Natur zu Beginn des 20. Jahrhunderts – wie beim Nacktbaden an den Moritzburger Teichen – wird sowohl die erholsame Pause als auch ein Gegenentwurf zur Prüderie der wilhelminischen Gesellschaft erkennbar. Auch in den zeitgenössischen Positionen rückt die Auszeit als Teil einer Gesellschaftskritik ins Zentrum und wird die klassische Taktung der Ökonomie in Frage gestellt oder die Bedeutung der Auszeit in der künstlerischen Produktivität betont. Spätestens durch die Werke, die zur Kontemplation oder auch humoristisch zur Entschleunigung anregen, wird die genuin moderne Vorstellung der Auszeit als Unterbrechung des getakteten Lebensalltags für den Besucher zugleich physisch erfahrbar. Mit dem temporären Einfrieren des öffentlichen Lebens während der globalen Corona-Pandemie hat der Begriff ›Auszeit‹ wiederum neue Konnotationen erhalten, die der rumänische Künstler Dan Perjovschi (*1961) in seinen zeichnerischen Interventionen pointiert kommentiert.

Mit Arbeiten von Marina Abramović, Bas Jan Ader, Cosima von Bonin, Nathalie Czech, Alejandro Cesarco, Die Tödliche Doris, Otto Dix, William Engelen, FORT, Valeska Gert, Rodney Graham, Axel Heil, Sophia & Franziska Hoffmann, Christian Jankowski, Ernst Ludwig Kirchner, Barbara Klemm, Friedrich Kunath, Mark Leckey, Otto Mueller, Ernesto Neto, Yoko Ono / John Lennon, Max Pechstein, Dan Perjovschi, Karl Schmidt-Rottluff, Mladen Stilinović, Grace Weaver, Erwin Wurm und Andrea Zittel

 

 

HELMUT STURM. SPielfelder der Wirklichkeit (1./2. OG)

31. Juli 2021 bis 1. November 2021
Vernissage: 30. Juli, 19 Uhr

 
Helmut Sturm, Infernalezza, 1962-63, Mischtechnik auf Leinwand, CAMeC | Centro Arte Moderna e Contemporanea La Spezia, Cozzani collection
Helmut Sturm, Infernalezza, 1962-63, Mischtechnik auf Leinwand, CAMeC | Centro Arte Moderna e Contemporanea La Spezia, Cozzani collection
 
 

Die retrospektive Ausstellung gibt erstmals einen umfassenden Einblick in das facettenreiche Werk des Malers Helmut Sturm (1932–2008) und beleuchtet seine verschiedenen Schaffensphasen von Ende der 1950er-Jahre bis zu seinem Tod. Die farbmächtigen Arbeiten Sturms sind bedeutende Zeugnisse einer expressiven Malerei in Deutschland, die Abstraktion und Figuration souverän vereint. Im dynamischen Malprozess findet er zu einer Bildsprache, die die räumlichen Grenzen der Leinwand aufbricht. Für Sturm war die Leinwand ein »räumlich bewegtes Spielfeld«, in dem sich Geschlossenheit und Expansion, Konstruktion und spontaner Gestus mit »allerlei Gerümpel aus der Spielzeugkiste der Wirklichkeit« verbinden. Als Mitbegründer der Künstlergruppe ›SPUR‹, eine der ersten Avantgardebewegungen im Nachkriegsdeutschland, trägt er maßgeblich zur künstlerischen Aufbruchsstimmung der 1960er-Jahre bei. In den fünf Jahrzehnten seines Schaffens gehörte der langjährige Professor an der Kunstakademie München ebenfalls zu den zentralen Akteuren der Künstlergruppen ›Geflecht‹ und ›Kollektiv Herzogstrasse‹ und war kurze Zeit mit der Situationistischen Internationale verbunden. Die permanente Befragung seiner Malerei hat er sich zur Lebensaufgabe gemacht.

Die Ausstellung und ein umfangreicher Katalog werden in Kooperation mit der Kunsthalle Emden und dem Museum Lothar Fischer i. d. OPf. realisiert sowie in Zusammenarbeit mit dem Nachlass Helmut Sturm. Alle drei Museen besitzen in ihren Sammlungen zentrale Arbeiten des Malers.

Parallel findet im EG die Ausstellungsreihe »Projektionen« statt, die filmische Arbeiten zeitgenössischer Künstler vorstellt.

 

 

MAX ERNST (1. OG)

20. November 2021 bis 20. Februar 2022

Vernissage: 19. November, 19 Uhr 

 
Max Ernst, Quelques fleurs, 1927 (Detail), Öl auf Leinwand, 22,3 x 27,5 cm, Kunstmuseum Bonn, Leihgabe der Professor Dr. med. Wilfried und Gisela Fitting Stiftung
Max Ernst, Quelques fleurs, 1927 (Detail), Öl auf Leinwand, 22,3 x 27,5 cm, Kunstmuseum Bonn, Leihgabe der Professor Dr. med. Wilfried und Gisela Fitting Stiftung
 
 

Max Ernst (1891–1976) gehört zu den großen Formverwandlern und geistigen Erneuerern in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Zeitlebens war sein Werk von intellektueller Neugier, Experimentierfreude und Erfindungsreichtum geprägt. Als früher Protagonist des Dadaismus, Pionier des Surrealismus und fortwährender Erfinder neuer künstlerischer Techniken schuf er ein einzigartiges Œuvre, das sich jeder klaren stilistischen Definition entzieht. Seine Bildwelten sind Schöpfungen einer grenzenlos scheinenden, dabei sehr präzisen Fantasie, die er durch die Erkundung experimenteller Techniken stimulierte. In einer wohlkalkulierten Balance von Zufall und Steuerung dienten neue bzw. erweiterte Techniken wie die Collage, Frottage (Durchreibeverfahren), Grattage (Abkratzverfahren) oder Décalcomanie (Abklatschtechnik) der Erkundung des Unbewussten, des Visionären und Fantastischen. Nicht nur anhand von Blättern der berühmten Frottagen mit dem Titel »Historie naturelle« vermittelt die Ausstellung einen Eindruck von Max Ernsts Experimentierlust und visionärem Ausdruckswillen, sondern ebenso durch intime Gemälde, Aquarelle, Collagen, Grafiken und einige plastische Arbeiten. Mit über 40 Arbeiten aus der Sammlung Wilfried und Gisela Fitting sowie aus der Sammlung Hans Bolliger des Kunstmuseum Bonn schlägt die Werkschau einen Bogen von den Anfängen bis zum Spätwerk, setzt einen Schwerpunkt bei den 1920er- und 1950er-Jahren und lädt die Besucher ein, in die fantasievollen Bildwelten von Max Ernst einzutauchen.

 

 

CAROLINE ACHAINTRE (2. OG)

20. November 2021 bis 20. Februar 2022
Vernissage: 19. November, 19 Uhr

 
Caroline Achaintre, Hocus Locus, 2018, Hand tufted wool, 275 x 280 cm, Courtesy Arcarde London & Brussels und Art:Concept, Paris
Caroline Achaintre, Hocus Locus, 2018, Hand tufted wool, 275 x 280 cm, Courtesy Arcarde London & Brussels und Art:Concept, Paris
 
 
Die erste museale Einzelausstellung von Caroline Achaintre (*1969, lebt in London) in Deutschland gibt Einblick in das einprägsame Werk der deutsch-französischen Künstlerin. Achaintre überführt tradierte Techniken wie Tapisserie, Keramik und Aquarell in die Gegenwart und erkundet dabei die Grenzen zwischen Abstraktion und Gegenständlichem. Ihre Keramiken, Aquarelle und imposanten großformatigen Wandteppiche sind Einladungen an das freie Spiel der Vorstellungskraft und lassen wundersame, animalisch wirkende Figuren und maskenhafte Formationen in Erscheinung treten. Achaintres Inspirationsquellen sind Bilder aus der Hoch- und Popkultur, die in ihren Werken ein Eigenleben entwickeln. Neben kunsthistorischen Bezugspunkten u. a. zum deutschen Expressionismus, ›Primitivismus‹ und zur Arts-and-Crafts-Bewegung ist das Horror-, Heavy Metal- und Science-Fiction-Genre für sie ebenso von Bedeutung wie der subversive Geist mitteleuropäischer Karnevals- und Faschingsgebräuche. Ihre kraftvollen Tapisserien entwickelt Achaintre mit der Technik des Tuftens, bei der einzelne Wollfäden mit Hilfe einer Druckpistole von hinten durch die Leinwand geschossen werden. Sie wirken wie geheimnisvolle Relikte einer unbekannten Kultur und entfalten sowohl eine starke physische wie auch sinnliche Präsenz.

Einzelausstellungen u. a. Dortmunder Kunstverein, Dortmund (2018), Belvedere, Wien (2019), CAPC Musée d’Art Contemporain, Bordeaux (2020), Fondazione Giuliani, Rom (2020), Fondation Thalie, Brüssel (2020)
 
 
 
 
 
 

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